Vom Askari-Soldaten zum Schauspieler

Im Themenraum „Krieg“ erzählen Fotos, Briefe und Filme die Geschichte von Mahjub bin Adam Mohamed Hussein (1904 – 1944).

Melanie Huber | 21. Juli 2022

Screenshot aus dem Film „Representation Matters – Rassismus in der Unterhaltungsindustrie“ von Jermain Raffington und Alice Hasters

Mahjub bin Adam Mohamed Hussein wurde am 22. Februar 1904 in Tansania geboren, dem damaligen, vom Deutschen Kaiserreich kolonisierten „Deutsch-Ostafrika“. Später nahm er den Namen Bayume Mohamed Husen an. Bei Husen handelt es sich um eine Verdeutschung des Namens Hussein. Hussein war Sohn eines Offiziers der „Askari“ (Arabisch: Soldat). Mit diesem Begriff wurden afrikanische Männer bezeichnet, die in den Kolonialtruppen der Armeen europäischer Kolonialmächte ihren Dienst leisteten. Für kurze Zeit besuchte Hussein die Regierungsschule in Daressalam. Während des Ersten Weltkrieges wurde er im Alter von zehn Jahren als Kindersoldat rekrutiert. Er wurde verwundet und geriet in britische Kriegsgefangenschaft.

Stolperstein für Bayume Mohamed Husen (Mahjub bin Adam Mohamed Hussein) in Berlin-Mitte, Brunnenstraße 193
Stolperstein für Bayume Mohamed Husen (Mahjub bin Adam Mohamed Hussein) in Berlin-Mitte, Brunnenstraße 193
Stolperstein für Bayume Mohamed Husen in Berlin-Mitte, Brunnenstraße 193 © Stadtmuseum Berlin, Foto: Melanie Huber
Stolperstein für Mahjub bin Adam Mohamed Hussein in Berlin-Mitte, Brunnenstraße 193 © Stadtmuseum Berlin, Foto: Melanie Huber

Auf dem Weg nach Berlin

Nach dem Krieg heuerte er auf deutschen Schiffen an und kam 1929 nach Berlin. Dort wollte er den für seinen Vater und sich ausstehenden Sold für das Deutsche Reich geleisteten militärischen Dienste einfordern. Für diese verlangte Hussein auch eine moralische Anerkennung. Im Oktober 1934 beantragte er die Verleihung des Ehrenkreuzes für Frontkämpfer. Die nationalsozialistischen Behörden wollten diesen Orden jedoch nicht an einen Schwarzen Menschen verleihen. Auch der „deutsche Generalmajor Kommandeur der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika“, Paul von Lettow-Vorbeck, versagte ihm die Unterstützung gegenüber dem Auswärtigen Amt. In einem auf Swahili geschriebenen Brief vom 20. April 1937 an das Auswärtige Amt beschwerte sich Hussein über die Ablehnung und gab seiner Verbitterung Ausdruck. Der Brief ist im Themenraum „Krieg“ in der Berlin Ausstellung im Humboldt Forum zu finden.

Hussein blieb in Berlin. Fünf Jahre lang arbeitete er als Kellner in der Wildwest-Bar und im Türkischen Café des „Haus Vaterland“, einem legendären Vergnügungspalast am Potsdamer Platz. Auch war er zehn Jahre lang als Lektor für die Sprache der Suaheli, Kiswahili, am Seminar für Orientalische Sprachen tätig.  Zusätzlich trat er in sogenannten Völkerschauen auf und wirkte in Kolonialfilmen mit.

Seine Geschichte als Schauspieler erzählen der Filmemacher Jermain Raffington und die Journalistin Alice Hasters in dem Film „Representation Matters – Rassismus in der Unterhaltungsindustrie“. Es ist der zweite Film aus der BERLIN GLOBAL-Reihe Perspektivraum.

Im Sommer 1941 wurde Hussein wegen der Beziehung zu einer weißen Frau denunziert. Unter dem Vorwurf der „Rassenschande“ nahm man ihn in „Schutzhaft“. Aus dem Gefängnis am Alexanderplatz  wurde Hussein am 27. September 1941 verlegt:  in das Konzentrationslager Sachsenhausen. Dort starb er am 24. November 1944.

Öffentliche Tandemführung

Von den USA nach Berlin

Sa, 6.8. | 16 Uhr | BERLIN GLOBAL

Die Geschichte von Mahjub bin Adam Mohamed Hussein ist ein Punkt in der Führung mit der Berliner Queerfeministin mit afroamerikanischen Wurzeln, Dr. Michaela Dudley. In der Führung geht es um Rassismus, das geteilte Deutschland und um queere Geschichte.