Freifläche B – Berlin-Bilder

Gleichberechtigte Bürger*innen

Ausstellung des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma // 27. November 2021 bis 21. November 2022

Sophie Perl | 24. November 2021

Menschen demonstrieren

„Gleichberechtigte Bürger*innen“ ist eine Ausstellung des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma auf der Freifläche im Raum „Berlin-Bilder“ bei BERLIN GLOBAL.

Sie geht auf die Geschichte Berliner Sinti und Roma seit der Weimarer Republik ein, im europäischen Geflecht wie durch persönliche Biografien. Im Zentrum steht die Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma: für eine Anerkennung des Holocausts, gegen den Antiziganismus und für eine Normalität als gleichberechtigte Bürger*innen. Über die historische Auseinandersetzung hinaus zeigt die Ausstellung im Raum „Berlin-Bilder“ zwölf zeitgenössische Porträts aus der Serie „RomaRising“ des Fotografen Chad Evans Wyatt sowie das Grimme-Preis gekrönte RomArchive.

Zur Geschichte der Sinti und Roma

Sinti und Roma leben seit über 600 Jahren in Deutschland und waren bis in die 1930er Jahre anerkannte Bürger*innen der Stadt Berlin. Mit den Nürnberger Rassengesetzen unterwarf das Nazi-Regime 1935 Sinti und Roma den gleichen diskriminierenden und ausgrenzenden Bestimmungen wie die jüdische Bevölkerung. Wenige Jahre später wurden Sinti und Roma in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Im besetzten Europa fielen dem Holocaust an den Sinti und Roma etwa 500.000 Menschen zum Opfer.

Dennoch mussten Überlebende und ihre Nachfahren jahrzehntelang für die Anerkennung des Holocaust an der Minderheit kämpfen. Erst mit dem 2012 in Berlin eingeweihten zentralen Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas erreichte die Bürgerrechtsbewegung einen wichtigen Schritt zur öffentlichen Sichtbarkeit. Doch noch immer setzen sich strukturelle und gesellschaftliche Vorurteile und Antiziganizmus fort. Gegen die Alltäglichkeit der Diskriminierung setzt die Ausstellung den titelgebenden Anspruch einer selbstverständlichen Anerkennung von Sinti und Roma als „Gleichberechtigte Bürger*innen“.

Das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma

Das 1997 gegründete Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma ging aus jahrzehntelanger Bürgerrechtsarbeit hervor. Es setzt sich für die gleichberechtigte Teilhabe der Minderheit ein. Zugleich agiert es als wissenschaftliche Facheinrichtung für die Erforschung und Dokumentation der Geschichte der Sinti und Roma, für politische Bildungsarbeit sowie für zeitgenössische Kunst- und Kulturprojekte. Die Freifläche wurde von André Raatzsch und Jan Kreutz kuratiert.

© Kulturprojekte Berlin und Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Oana Popa-Costea
Die Freifläche im Raum „Berlin-Bilder“

Das sind die Freiflächen

Die Freiflächen sind drei Bereiche der Ausstellung BERLIN GLOBAL, die von Initiativen, Organisationen und freien Gruppen bespielt werden. Ziel dabei ist, unbekannte, aktivistische und unterrepräsentierte Perspektiven und Themen sichtbar zu machen. Die Projekte werden von einer unabhängigen Jury ausgewählt und über jeweils 9 Monate zusammen mit dem Stadtmuseum Berlin entwickelt und umgesetzt. Danach ist die Ausstellung ein Jahr lang in BERLIN GLOBAL zu sehen.

„Gleichberechtigte Bürger*innen“ ist das zweite Freiflächen-Projekt bei BERLIN GLOBAL. Die erste Freifläche wurde von der Lebenshilfe Berlin gestaltet. Die Ausstellung trägt den Titel „Un certain regard“ und ist bis April 2022 im Raum „Verflechtung“ zu finden.

Freiflächen

Die Freiflächen sind drei leuchtend blaue Bereiche innerhalb des Ausstellungsrundgangs von BERLIN GLOBAL, die von Initiativen, Organisationen und freien Gruppen bespielt werden. Ziel dabei ist, unbekannte, aktivistische und unterrepräsentierte Perspektiven und Themen sichtbar zu machen.